Volkstrauertag 1998


"Volkstrauertag" Sonntag, 15. November 1998

Der ehem. Oberbürgermeister der Stadt Coburg, Karl-Heinz Höhn (ex-CSU; Fördermitglied des Pfadpfinderbundes Weltenbummler, ex-Rebellen; Ehrenmitglied des Coburger Convent, CC; hiesiger Vorsitzender des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, VDK), sah die Feierstunde des VDK und der geladenen Verbände durch ungebetene Gäste gestört. Mitglieder des Fränkischen Heimatschutzbundes, FHS, und "Kameraden" aus Thüringen hatten sich unter die Volkstrauernden gemischt und wollten ebenfalls einen Kranz mit schwarz-weiß-roten Schleifen für "die gefallenen deutschen Soldaten" niederlegen. Obwohl der ex-OB während seiner Amtszeit Vertreter der Hilfsgemeinschaft der ehem. Angehörigen der Waffen-SS, HiAG, persönlich und offiziell zu den militaristisch-nationalistischen Feierstunden einlud, zeigte er bei den ca. 25 aufmarschierten Fascho-Skins Berührungsängste. Während der Kranzniederlegungen der geladenen Militarismusvertreter zu "den Klängen des Soldatenliedes: Ich hatt' einen Kameraden" beschlagnahmten Polizeibeamte den Kranz des FHS. Nach verbalen Auseinandersetzungen blieben die Heimatschützer bis zum Ende der Veranstaltung. Der Kranz wurde ihnen später zurückgegeben. Den legten die Jung-Faschos am darauffolgenden Tag öffentlichkeitswirksam am Coburger Marktplatz unterhalb des sog. Albert-Denkmals nieder. Es ist das zweite Mal innerhalb eines kurzen Zeitraumes, daß Mitglieder des FHS öffentlich auftreten. Die Erst-Aktionen zur Gründung vor drei Jahren (wie z.B. "Bratwurst statt Döner") waren eher lächerlich. Doch mit einer Fadenziehung durch Tino Brandt (Anti-Antifa, Anmelder des R. Hess Gedächtnismarsches in Rudolstadt, Initiator des Thüringischen Heimatschutzbundes, kaufm. Angestellter im Nation + Europa Verlag) und der Übernahme der Taktik der sog. Kameradschaften bzw. Freien Nationalisten stellt sich der FHS (er rekrutiert sich vorwiegend im Coburger Landkreis) inzwischen ganz anders dar. Ende September 1998 versuchten ca. 20 Jugendliche aus diesem Spektrum ein Ska-Konzert im Coburger Jugendzentrum Domino zu besuchen. Dies wurde ihnen verwehrt. Daraufhin gab es Debatten zwischen den Verantwortlichen des JUZ und den Faschos. Sie forderten Räume für sich und ihr Klientel. Mittlerweile wird diese Diskussion bereits zwischen VertreterInnen der Stadt und der Polizei geführt. Die Rechten versuchen über die Thematisierung der sog. akzeptierenden Jugendarbeit den Hebel anzusetzen. Und im Hintergrund sitzen Peter Dehoust und sein Verlagsleiter Harald Neubauer in Lenkung und Beratung. Nach der unendlichen Polemisierung gegen die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht..." in der Monatsschrift Nation + Europa war die Volkstrauertagsaktion einfach logisch.

Antifaschistische Nachrichten 24/1998