1.-Mai-Demo 2000

"Wir haben euch was mitgebracht: Haß, Haß, Haß!" Offener Haß - so marschiert die NPD am ersten Mai. Martialisches Auftreten, Gewalt als Drohung, die auch umgesetzt wird. Beispiel: der Brandanschlag auf die Synagoge von Erfurt.

Christian Barz, Anwohner Synagoge: "Am 20.04. Balkon auf Jungen gewartet, gehört, Synagoge was wie Leuchtkugel herausgeschossen und weggeflogen ist. So n richtiger Ball ist das gewesen, da hab ich mir gedacht, was macht ihr wieder für ne Scheiße."

Der Brandsatz zündet nicht, Nachbarn löschen die Lunte. Drei Täter aus der rechten Szene werden festgenommen.

Eine Mahnwache vor der Erfurter Synagoge. Wer mutiger ist und öffentlich Stellung bezieht, kann schnell auf die schwarze Liste der rechten Organisationen kommen. Nachdem er die NPD ein Sammelbecken der Gewalt genannt hatte, setzte bei Bodo Ramelow der Telefonterror ein.

Bodo Ramelow, DGB/PDS-Landtagsabgeordneter: "Die Bedrohung wirkt so, daß sie eben genau zu Hause einsetzt. Also man geht hin und sagt, wir wissen, wo du bist. Und genau das ist die Botschaft, die signalisiert werden soll: Wir wissen, wo du bist, wir kriegen Dich."

Bedrohung auch im Internet - Gegner werden denunziert. Beispiel: Ein Geraer Gewerkschafter mit Name und Bild an den rechten Pranger gestellt. Anzuklicken über den Thüringer Heimatschutz. Dahinter verbirgt sich ein Sammelbecken der militanten und gewaltbereiten rechtsextremistischen Szene. Eines der Ziele: in Thüringen ausländerfreie Zonen zu schaffen. Es gibt Vernetzungen zu den verschiedensten Organisationen, und dadurch wird die Szene unübersichtlich.

Anetta Kahane, Zentrum Demokratischer Kultur: "Der Thüringer Heimatschutz ist ja sehr aktiv in der NPD in Thüringen, und geht direkt hervor aus Antiantifa, und hat auch diese Ziele, die damals formuliert wurden, niemals aufgegeben. Also, es ist ganz klar, daß da auch, wie verschiedene Straftaten auch belegt haben, ein Hang zum Rechtsterrorismus zu beobachten ist."

Der Drahtzieher: Tino Brandt, Chef des Thüringer Heimatschutzes, trat vor einem Jahr mit vielen Gesinnungsgenossen in die NPD ein. Letzten Samstag in Maua. Auf dem Weg zum Landesparteitag in Mosbach. Ziel: eine weitere Radikalisierung der Partei. Strategie und Ideologie: die Verbrechen der Nazis, die Entfesselung des zweiten Weltkrieges, die Ermordung der Juden werden verharmlost.

Tino Brandt/NPD, Pressesprecher: "Es gab einen Nationalsozialismus in Deutschland, wo mit Sicherheit Fehler gemacht wurden, wo es Probleme gegeben hat. Wo man aber sagen kann, wo ein Wirtschaftsprogramm war, was die Leute natürlich bewegt hat, wo es eine Volksgemeinschaft gab."

Die jungen Rechtsextremen wollen die NPD Thüringens dominieren. Ein Machtkampf bahnt sich an. Der Konflikt wird schon im Vorfeld deutlich: das aggressive Outfit der Jungen sorgt für Zündstoff.
Die Schwarze Garde ist aber nur ein Imageproblem. Die älteren wollen nach außen Biedermänner bleiben..

älteres NPD-Mitglied: "Jungs, sollten wir zum Parteitag nicht ne andre Jacke angezogen haben?!"

junges NPD-Mitglied: "Na, dann ziehn wir sie aus." älteres NPD-Mitglied: "Nicht doch, es geht darum, daß damit ein anderes Bild dargestellt wird, wie es wirklich sein soll. Das muß heut nicht sein."

Aber nur einer zieht die Jacke aus - und das ist die einzige Niederlage der militanten Jugend auf diesem Parteitag. Tino Brand wird stellvertretenderer Vorsitzender. Seine Truppe beherrscht ab diesem Tag den NPD-Landesvorstand, und der Vorsitzende hat offensichtlich schon jetzt nur eine Marionettenrolle.

Reporter-Frage: "Aber ein paar inhaltliche Punkte Ihres politischen Programms - könnten Sie die kurz skizzieren?

Dietmar Plaul NPD Thüringen, Landesvorsitzender "Wollen wir so antworten wie ich das vorhin gesagt hab?"

Die NPD in Thüringen, sie wird durch die Macht von Tino Brandt schlagkräftiger, noch aggressiver.
Der Haupttäter des Anschlags auf die Erfurter Synagoge hat ein NPD-Parteibuch. Die NPD behauptet ihn ausgeschlossen zu haben.

Reporter-Frage: "Wenn jetzt nun Andreas noch Mitgliedder NPD gewesen wäre, hätten Sie sich verpflichtet gefühlt sich bei der Jüdischen Gemeinde für diesen Anschlag zu entschuldigen?"

Tino Brandt NPD, Stellvertretender Landesvorsitzender: "Wir hätten uns verpflichtet gefühlt, den Andreas John wegen parteischädigendem Verhalten auszuschließen. Ich persönlich hätte allerdings nicht gewußt, wozu ich mich entschuldigen sollte bei der Jüdischen Gemeinde."

Reporter-Frage: "Wie stehen Sie zu Juden in Deutschland?"

Tino Brandt: "Das ist allerdings eine Frage, auf die ich mich nicht äußern will, da ich mich da leider strafbar machen würde."

Anetta Kahane, Zentrum Demokratischer Kultur: "Das ist übrigens in den neuen Bundesländern so, daß solchen rassistischen, nationalistischen und völkischen Tendenzen wenig entgegengebracht wird von seiten der gesellschaftlichen Kräfte, daß sie sich relativ ungehemmt verbreiten können."