Der AK Informationstechnologie...
...beschäftigt sich mit Fragen wie Emailverschluesselung, Open Source,
Ueberwachungstechnolgien und was mensch dagegen tun kann, usw...
Hier ein Einfuehrugstext zum Thema vom Sommer 2004, den wir fuer das Kassettenradio
verfasst haben:
Computer, Kommunikation und Kontrolle
Die allermeisten Leute, zumindest in der "ersten Welt", nutzen heute
Technologien wie Telefon, Computer und Internet. Die Beziehung zu
diesen Technologien ist dabei meist rein instrumentell : es soll nur
funktionieren. Wer sich darueberhinaus dafuer interessiert, ist dann
schnell ein "Freak".
Tatsaechlich existieren und funktionieren aber auch die modernen
Technologien aber nicht im luftleeren Raum. Sie sind wie alles andere in
gesellschaftliche Verhaeltnisse und Diskurse eingebettet. Wenn wir uns um
fair gehandelten Kaffee Gedanken machen, warum nicht auch um freie
Software und Kommunikation?
Es gibt viele gute und politische Gruende, sich mit diesen Themen zu
beschaeftigen:
Wir setzen uns fuer selbstbestimmte soziale Verhaeltnisse ein - das heisst
auch fuer Selbstbestimmung im Bereich der Informationen
Wir glauben nicht an Staat und Regierung - und genausowenig glauben wir
dem Microsoft-Handbuch oder dem schoenen Schein bunter Webseiten.
Das Problem:
Die Wahrheit ist, dass hinter diesem schoenen Schein animierter Icons
eine massive Auseinandersetzung um Kommunikations und Informationsfreiheit
ausgetragen wird. So will die EU etwa sog. Softwarepatente einfuehren.
Damit soll digitale Information - die letztendlich immer nur eine
bestimmte Anordnung von 0 und 1 sind - endgueltig verwaltbar und
verwertbar gemacht werden. Grossindustrie und staatliche Stellen
versuchen immer wieder, ComputerbenutzerInnen zu entmuendigen und zu
ueberwachen. Sie sollen zu konsumierenden "AnwenderInnen" degradiert
werden, denen die Kontrolle ueber Manipulation und Kommunikation ihrer
Daten entzogen ist.
Die Kommunikation ueber das Internet wird nicht erst seit gestern massiv
ueberwacht. Und es herrscht ein stetiger Wettlauf zwischen den
EntwicklerInnen von Verschluesselungs- und Ueberwachungs-techniken.
Letztere werden dabei nicht selten von staatlichen Stellen gesponsert.
ein Beispiel : Ein Grossteil der Kommunikation laeuft heutzutage uber
Email. Ob Geschaeftsberichte, politische Diskussionen, Liebeskummer oder
Urlaubsgruesse, Email ist schnell und praktisch. Auch das World Wide Web
ist eine beliebte Informationsquelle geworden, und reizt mit
vermeintlicher Anonymitaet.
Tatsaechlich ist jede Email aber wie eine Postkarte. Jede und Jeder, der
will, kann sie mitlesen, und oft wird das auch gemacht. Emails werden auf
dem Servern der Internet-Provider massenhaft mitgeschnitten und
analysiert. Auch das Browsen im Internet ist keineswegs so anonym, wie es
sich anpreist. Alle Daten, die du beim surfen abrufst, koennen mitgelesen
werden. Besuchte Seiten und "Surfgewohnheiten" werden systematisch
protokolliert (im harmlosesten Falle, damit du "massgeschneiderte"
Werbung angezeigt kriegst). Je nach Software und Einstellung werden auch
zahlreiche persoenliche Informationen in die Welt hinausgetragen. Das
amerikanische FBI betreibt spezielle Software (zB. namens "Carnivore" -
Fleischfresser), die sowohl Mails wie Browser-verlauefe speichert und
durchforstet. Aber auch deutsche Behoerden tun aehnliches. Einige
Bundeslaender (Bayern und Hessen, wen wunderts) forderten erst kuerzlich
noch weitergehende Moeglichkeiten zur Ueberwachung der Telekommunikation.
Eine Kontrolle, was mit den einmal mitgeschnittenen Daten passiert, gibt
es nicht.
Doch nicht nur staatliche Schnueffeldienste machen sich das Internet
zunutze. So nutzen auch Rechtsextreme vor kurzem die Luecken des Netzes,
um massenhaft Propaganda mit gefaelschten Absendern zu verschicken.
Was tun ?
Nicht nur, aber gerade auch politische Gruppen und andere potentielle
Ziele staatlicher Repression sollten deswegen systematisch ihre
Kommunikation schuetzen. Das ist nicht schwierig. Mit dem frei
verfuegbaren GNU-Privacy-Guard (eine freie Version des bekannten PGP)
lassen sich Emails mit wenigen Klicks verschluesseln. Einmal
verschluesselte Emails lassen sich dann nur noch von derjenigen Person
lesen, an die sie addressiert wurden. (Vorrausetzung ist, dass sowohl
Sender und Empfaenger das Verschluesselungsprogramm benutzen)
Auch wenn du denkst, dass du eh nix zu verbergen hast - GPG zu
installieren kostet dich wenige Minuten, und es bietet dir zumindest ein
gewisses Mass an Selbstbestimmung ueber deine Kommunikation. Die
notwendige Software findet sich auf
www.gnupg.org.
Eine praktische Anleitung bietet etwa die rote Hilfe Heidelberg auf ihrerWebseite :
http://www.heidelberg.rotehilfe.de
Und auch allgemein lohnt es sich, sich minimal mit der Welt der Netze und
Computer zu beschaeftigen. Freie - d.h. gratis verteilte und transparent
programmierte - Betriebssysteme wie Linux vereinfachen es, die Kontrolle
ueber seine Informationen in die eigene Hand zu nehmen. Auch Netzwerke wie
Indymedia , die oft als linker Dienstleistungsbetrieb verkannt werden,
sind von ihrem Grundgedanken viel mehr. Naemlich eine Moeglichkeit, u.a.
Internet zur demokratischen und selbstbestimmten Verbreitung nicht
mainstreamtauglicher Information zu nutzen. Jeder von uns sollte seinen
Beitrag dazu leisten, solche digitalen Freiraeume zu erkaempfen und zu
erhalten.
Denn die modernen Technologien koennen eine maechtige Waffe sein - wenn
wir sie uns aneignen und lernen, sie zu kontrollieren. Genauso sind sie
aber auch eine grosse Gefahr, wenn es den Konzernen und Regierungen
gelingt, ihren Zugriff darauf zu festigen.
mehr infos und links zum thema dazu gibts zB. beim
Chaos Computer Club