Am 21. und 28.9.00 kam es in Jena zu einem Prozeß gegen einen
jungen Menschen, der sich am 10.2.99 spontan an Protesten gegen die Kampagne
der CDU gegen die doppelte Staatsbürgerschaft beteiligte. Dabei wurde dieser
Mensch zu einer Geldstrafe von 500,- DM und Verfahrenskosten verurteilt – alles
zusammen weit über 2000,- DM.
Die Vorwürfe: Er soll zwei Mitglieder der
CDU als "Nazis" und "Faschisten" bezeichnet haben.
Tatsächlich aber, so ein CDU-Zeuge, hatte wohl eine junge Frau dieses gerufen;
ein weiterer Zeuge der CDU gab an, daß der angeklagte Mensch definitiv nicht
derjenige war, der ihn beleidigte. Nur eine einzige Zeugin belastete den
Angeklagten, und zwar nicht nur betreffend ihrer Person, sondern auch genau
desjenigen CDU-Mannes, der eben ausgesagt hatte, es sei ein ganz anderer
gewesen. Nicht nur beschuldigt sie ihren Parteifreund der Lüge, sondern sie war
auch absolut unfähig, die beschuldigte Person genau zu beschreiben. Statt
dessen sagte sie immer wieder, es sei die Person gewesen, die von der Polizei
mitgenommen worden ist. Am 10.2.99 kam es auch zu einer Gegenüberstellung, bei
der sie sich die beschuldigte Person allein, d.h. nicht nur ohne Wahlmöglichkeit,
sondern auch rechtswidrig anschauen konnte.
Weitere
"Höhepunkte" aus dem Prozeß: Ein geladener Zeuge der CDU kam zum ersten
Verhandlungstag nicht, weil er sich den Termin falsch notierte und wurde somit
zu einem Ordnungsgeld von 300,- DM verurteilt; jedoch hob der Richter am
zweiten Verhandlungstag das Urteil wieder auf. Eine Zeugin, die die ganze Sache
unbeteiligt beobachtete und aussagte, daß der junge Mensch erst nach den
"Beleidigungen" hinzukam, wurde vom Richter nicht nur als unglaubwürdig
abgestempelt, sondern könnte dem Verhalten des Richters nach darüber hinaus mit
einer Anzeige wegen Falschaussage bedroht werden. Der Richter ging über den
Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus; sein Verhalten ist schlichtweg als Rechtsbeugung
zu bezeichnen. Eine Anzeige gegen ihn wird deshalb zur Zeit erwogen.
Die
Sache ist jedoch damit noch nicht ausgestanden: Verteidigung und Angeklagter
gehen in die nächste Runde, diesmal dann vorm Landgericht in Gera, aber mit
neuem/r RichterIn!
Bitte solidarisiert Euch! Wir teilen den Termin, der
allerdings erst nächstes Jahr sein wird, rechtzeitig mit!
Infoladen &
Archiv Schwarzes Loch Jena
Stand 28.09.2000
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