Presseerklärung Juni 2000

Im Hinterland kann sich der Neofaschismus ungestört ausbreiten - Man will als Stadt nicht polarisieren

Während in Weimar und anderswo die ganze Stadt gegen Neonaziaufmärsche "mobilisiert" wird, kann sich im Hinterland der Neofaschismus ausbreiten und veranlasst die politisch verantwortlichen keinesfalls zu öffentlichen Aufrufen und Unterstützung einer öffentlichen Debatte gegen Rechts und Rassismus, sondern wollen die Ereignisse unter den Tisch kehren. Beispiel Bad-Blankenburg (bei Saalfeld/Rudolstadt, Thüringen):

10.05.00 Bad Blankenburg, ca. 16.45 Uhr wurde ein junger Mann von einem Neonazi zusammengeschlagen.

D. Thiele, aus dem Umfeld des Thüringer Heimatschutzes und der NPD, schlug am 10. Mai in Bad-Blankenburg einen Bürger chilenischer Herkunft (O.A.) zusammen. Noch zwei weitere Faschisten namens Trobnack und Schauseil schauten zu. Der Vorfall wird, obwohl das Opfer erklärt, dass der Täter weder nach Alkohol roch, noch einen betrunken Eindruck machte, auf das Vergehen eines Alkoholisierten reduziert.

Der Faschist D. Thiele ist am 10. Mai nicht zum ersten Mal aufgefallen. Er und seine Freunde terrorisieren schon seit mindestens zwei Jahren regelmäßig Jugendliche im Bad Blankenburger Park und in der Siedlung. Der Hass dieser Faschisten auf O.A.und seine Lebensgefährtin steigerte sich, nachdem diese immer wieder ihren rassistischen =C4ußerungen und Handlungen in der Kaufhalle oder auf der Straße entgegentraten und nach den Worten des jetzigen und des früheren Bundespräsidenten handelten. Obwohl die drei beteiligten eindeutig in neofaschistischen Zusammenhängen wird die Tat in gewohnter Manier als Einzeltat verharmlost. Zwischen den Bad Blankenburger Neofaschisten, wie Patrick Schauseil und Trobnack, gibt es enge Kontakte mit dem bekannten Neonazi Tino Brand - Pressesprecher der NPD. Der sich nach der Festnahme von D. Thiele zwei Tage in Bad Blankenburg aufhielt und, mit den genannten zwei und mehreren aus anderen Städten (Gesamtzahl ca. 20), Versammlungen in Privatwohnungen und in einer Kneipe abhielt. 

Während dieser Tage wurden O.A. und seine Lebensgefährten ständig regelrechtem Telefonterror ausgesetzt und wurden in diesen beschimpft,

beleidigt und ihr Leben wurde bedroht. 

Die Aktivitäten gingen vergangenes Jahr so weit, dass in den Wäldern von Bad Blankenburg Wehrsportübungen abgehalten wurden und zwar um den 13. Mai 99 (Männertag) herum. Patrick Schauseil versuchte mehrere Jugendliche zum Eintritt in die JN (Junge Nationaldemokraten) zu bewegen, doch haben sich viele von dem anfänglichem Glanz und der scheinbaren Kameradschaft nicht blenden lassen und traten auch durch entsprechende Aufklärungsarbeit nicht ein. 

Beim Übergriff brauchte die Polizei ca. 45 Minuten, um am Tatort zu sein. Damit die bedrohliche Situation durch die Sicherheitsbehörden überhaupt ernst genommen wurde, bedurfte es in den letzten Monaten fünf Anzeigen. Eine kleine Chronologie der faschistischen Übergriffe und Aktivitäten in Bad-Blankenburg

a.. 24.12.1998: Eine Sozialarbeiterin (S.S.) wird verbal gedemütigt und handgreiflich attackiert.

b.. 31.12.1998: Eine Gruppe Jugendlicher, die lediglich zusammen Silvester feiern wollten, wird von mehreren Faschisten gejagt. Dabei wurden sie unter anderem mit Steinen beworfen und einer von ihnen wurde zusammengeschlagen. Kurz nach Mitternacht wurde dann noch ein zweiter Jugendlicher gewalttätig angegriffen.

c.. 10.01.1999: Ein stadtbekannter Neonazi(D.T.) verprügelt in der Nacht einen Jugendlichen (T.M.).

d.. März 1999: Erneut wird dieser Jugendliche (T.M.) angegriffen.

e.. 13.05.1999: Zwei Jugendliche werden von rechten Schlägern mit Autos gejagt.

f.. 14.05.1999: Die Mutter eines "links aussehenden" Jugendlichen (T.M.) wird Abends von zwei Rechten angegriffen. Dabei wird ihr am Arm eine Schnittwunde zugefügt.

g.. 20.06.1999: Bad Blankenburg wird mit NPD und JN Aufklebern "zugepflastert". Gehäuft werden diese in der Nähe der Schulen, des

"Extra-Marktes" und an dem Schaufenster des China-Imbiss angebracht. Auch später werden rassistische und faschistische Hetzparolen durch die

städtischen Neonazis in Form von Flugblättern an Autos und in Briefkästen und Einkaufswagen, sowie durch die Austeilung von rechtsradikalen Zeitungen, weiter verbreitet.

h.. 03. - 04.07.1999: Erneute Übergriffe auf einen Jugendlichen durch die selben Personen (D.T. und T.).

i.. 09.07.1999: Die NPD betreibt einen Info-Stand in der Siedlung. Dabei kommt es zu einem Angriff auf einen Deutschen ausländischer Herkunft (O.A). Dieser wird gewürgt und man versucht ihn zu berauben.

j.. 04.09.1999: Eine Sozialarbeiterin (S.S.), Lebenspartnerin von O.A., die dadurch "auffällig" geworden ist, dass sie verhindert, dass Jugendliche

der JN beitreten, wird von einem Auto mit Nazis verfolgt.

k.. 06.09.1999: Es erfolgt ein Drohanruf mit rechtem Inhalt bei O.A..

l.. 08.09.1999: Die bereits genannte Sozialarbeiterin wird in einem Brief, der an ihren Chef gerichtet ist, verleumdet.

m.. 07.09.1999: Dem im Juli angegriffenen Mann (O.A.)wird in Form eines Zettels an seinem Auto erneut gedroht.

n.. 11.09.1999: Ein Jugendlicher(P.S.) wird während der Fahrt in seinem Auto angehalten und aus dem Auto gezerrt. Ihm wird immer wieder von T. mit der Faust auf den Kopf geschlagen und sein Bein in der Fahrertür eingequetscht. Seine schweren Verletzungen mussten darauf mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden. Dieser Übergriff wurde erneut von den einschlägig bekannten Neonazis aus Bad Blankenburg, die auch an dem NPD-Stand beteiligt waren, durchgeführt.

o.. 15.April 2000 Nach gescheiterten Rekrutierungsversuchen durch die JN kommt es wieder zu vermehrten Übergriffen. Die NPD versucht darauf mit Aufklebern für den Aufmarsch am 1.Mai 2000 in Weimar zu gewinnen und verbreiten damit wieder ihre faschistische Hetze. Dabei werden auch Autos, Briefkästen und Tore von Leuten zugeklebt die sich den Naziaktivitäten mehrfach entgegenstellten. Anschließend werden über die Osterfeiertage die Einschüchterungsversuche durch tägliches zukleben von Briefkästen mit NPD Aufklebern und durch massive Drohungen fortgesetzt.

p.. 20.April 2000 Blankenburger Neonazis, darunter D.T. und Trobnack, bedrohen Jugendliche im Park mit einem Messer. Ein linker Jugendlicher(A.K.) wird am gleichen Abend von einem Auto gestoppt und darauf zusammengeschlagen. Als Folge mußte er sich zur Behandlung ins Krankenhaus begeben.

q.. 10. Mai 2000 Der im vorhergehenden Jahr angegriffene, O.A., wird im Schwarzatal von dem hier mehrfach erwähnten Nazi D.Thiele

zusammengeschlagen. Dabei ist wichtig zu erwähnen,dass entgegen den Pressemeldungen, der Täter nicht alleine sondern in Begleitung zweier

anderer war und das dieser keinen angetrunken oder gar besoffenen Eindruck machte.

r.. 19/20.Mai2000 An einer Gartenparty nehmen ca.30 Nazis aus Saalfeld, Rudolstadt und Bad Blankenburg teil. Im Umfeld wurden im Stadtpark 3 Antifas von 5 Faschisten aus den Reihen des Schwarzaer Jungsturm`s belästigt und verbal attackiert. 2 Jugendliche wurden auf ihrem nachhause-weg von mehreren Nazis ,in der Nähe der Party zusammen geschlagen.

All diese Vorgänge sind nur die Spitze des Eisberges. Während im Landtag PR-wirksam Resolutionen verabschiedet werden, schweigen die Verantwortlichen zu den Entwicklungen im sog. Hinterland, die von den Neonazis zu national befreiten Zonen entwickelt werden sollen.

Stand 06/2000

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